Port Antonio
Home Treasure Beach Mavis Bank Port Antonio Ocho Rios Negril Jamaica Vision Links




Nach oben




Von Mavis Bank nach Port Antonio

Das Etappenziel des nächsten Tages ist Port Antonio an der Nordostküste. Bevor wir nach Gordon Town zurückfahren um die Straße über Newcastle zu nehmen, organisieren wir zusammen mit einer anderen Familie, welche die gleiche Rundfahrt unternimmt noch einen Besuch in der Kaffeefabrik von Mavis Bank. Nicht nur die Führung ist interessant, wir holen auch den Eintrittspreis durch günstigen Einkauf des weltbesten Kaffees wieder herein. Am Flughafen, wie wir später sehen, kostet er glatt das Doppelte! Schon der Beginn ist interessant. Es ist zwar sofort ein freundlicher Betriebsführer bereit, der auch weiß was die Führung kostet (ich glaube es waren 8 Dollar pro Person), aber wo bezahlt wird, ist schon nicht mehr so klar. Nach etwa einer viertel Stunde waren die Zuständigkeiten geklärt und wir konnten endlich bezahlen. Seine Führung wirkt keineswegs improvisiert, er ist zwar (noch) etwas distanziert aber weiß genau was er zeigen will und darf, klärt uns auch über die Fotografierregeln auf. So dürfen wir alles ungefragt aufnehmen, solange keine Menschen drauf sind. Nach Beendigung der Führung sorgt der Andere für ein weiteres Auftauen der Atmosphäre: Er will einen Kaffeesack kaufen. Dies will unserem Betriebsführer nun überhaupt nicht so recht einleuchten. Was er denn mit so viel Kaffee wolle, er bekäme Probleme am Zoll, außerdem sei der Kaffee in dieser "Verpackungseinheit" ungeröstet. Wir versuchen ihm klar zu machen, dass er nur den leeren Sack will. Das geht aus verschiedenen Gründen leider nicht. Bei der Bezahlung des Kaffees unterläuft dann mir noch ein gehöriger Fauxpas: Ich gebe der Kassendame das Trinkgeld für die Kaffeekasse. Sie begreift es nicht, unser Betriebsführer noch weniger aber der beschwert sich wenigstens sofort, warum er die Arbeit mache und die Kassendame das Trinkgeld bekäme. Jetzt war ich in Erklärungsnot, dabei rutschte mir der völlig blödsinnige Begriff "Coffee-Cash" heraus, mein Kompagnon bekam einen Lachanfall, die Belegschaft der Kaffeefabrik wusste mit diesem Begriff nun absolut nichts mehr anzufangen, stand zunächst völlig verwirrt da, merkte aber bald, dass wir sie keineswegs auf den Arm nehmen wollten. Schließlich gelang es uns, das Missverständnis aufzulösen. Das Eis war endgültig gebrochen. Wir unterhielten uns noch fast eine Dreiviertelstunde über Gott und die Welt, Euros und wie sie auszusehen haben, über die touristischen Geschäftsideen unseres Betriebsführers, wie viel Kapital man mitbringen muss um eine gewinnträchtige Kaffeeplantage in den Blue Mountains zu betreiben undsoweiterundsofort. Nach insgesamt mehr als zwei Stunden Aufenthalt verabschieden wir uns mit jamaicanischem Handschlag: Faust auf Faust. 






Bildindex "Kaffeefabrik"
In der Coffee Factory Mavis Bank

 Bildindex "Nach Port Antonio"
Blick nach Newcastle

Bildindex "Nach Port Antonio"
Streitereien am Futterplatz

Bildindex "Nach Port Antonio"
Durch die Blue Mountains

Wir fahren schließlich zurück nach Gordon Town und suchen die Abzweigung nach Newcastle. Inzwischen fackeln wir nicht mehr lange sondern fragen an jeder Kreuzung an der wir nicht sicher sind jemanden. Bereitwillig wird uns Auskunft gegeben. Oft kommt die Antwort schon bevor wir überhaupt gefragt haben. Nach einiger Zeit erreichen wir Newcastle. Plötzlich stehen wir am Eingang eines Truppenexerzierplatzes auf dem mehrere Einheiten üben. Haben wir irgendeine Abzweigung verpasst? Wir fahren zurück, nein es gab keine Abzweigung. Also wieder umdrehen, wir stehen wieder vor den exerzierende Truppen. Gerade will ich das Fenster herunterkurbeln, da gibt mir einer der Chefs Handzeichen, wo ich entlang fahren sollte. Aber langsam bitte! Im Schritttempo fahren wir durch "Newcastle" an etlichen marschierenden Einheiten vorbei und erreichen wenige Minuten später "The Gap", ein traumhaft gelegenes Höhenrestaurant mit herrlicher Aussicht. Dass das Wetter die Sicht etwas versperrt nehmen wir gelassen. Wir nehmen unser Mittagessen inmitten von schwirrenden Kolibris ein, die ihrer Faulheit an den zahlreichen Fütterungsstationen frönen. Ich frage den Kellner noch nach Benzin. Die Antwort ist trocken und schockierend: In den Bergen gibt es zwischen Gordon Town und Buff Bay keine einzige Tankstelle. Er könne aber telefonieren, einer seiner Freunde würde bestimmt Benzin aus seinem Wagen zapfen und mir verkaufen. Er schaut sich aber vorher meine Tankanzeige an die schon 3 mm vor leer steht und meint, eigentlich müsste das schon reichen. Ich traue der Sache nicht, will aber keine Aufstände wegen ein paar Litern Benzin machen und beschließe ohne Benzin zu fahren, es geht schließlich nur noch bergab. Konsequent machen  wir 2 Meilen Fahrt, dann Halt und lassen die Bremsen abkühlen. Auf diese Weise erleben wir die Bergflora und -Fauna recht hautnah. Wir erreichen dann auch problemlos die nächste Tankstelle in Buff-Bay an der Nordküste.

Kurz hinter der Brücke über den Rio Grande müssen wir wegen eines stehenden LKWs anhalten. Natürlich dauert es keine Sekunde bis der erste Rafter neben uns steht und uns den Rio Grande entlang schippern will. Ich mache ihm klar, dass heute Nachmittag - es ist 16 Uhr - nichts mehr geht und frage ihn wann er morgen da sei. Ab Neun, sagt er, er zeigt mir noch sein T-Shirt mit der Nummer 157. Er heißt Gabriel. Wir verabschieden uns mit Handschlag. Ich habe das ungute Gefühl, dass das wohl eher nicht funktionieren wird.

Weiter geht es, noch etwa eine halbe Stunde Fahrt durch Port Antonio, bis wir in unserem Hotel Fern Hill ankommen. Eine traumhafte Anlage auf einem Hügel, Restaurantterrasse mit Blick aufs Meer, die "Zimmer" so groß wie bei uns kleinere Wohnungen. Dazu im Überfluss ausgestattet, mit eigenem Whirlpool. Trotzdem merkt man an allen Ecken und Enden, dass das Hotel schon bessere Zeiten gesehen hat.


Appartements im Fern Hill Hotel


Restaurantterasse

Bildindex "Rio Grande River Rafting"
Eisenbahnbrücke am Rio Grande





Bildindex "Rio Grande River Rafting"
Rio Grand River Rafting. 




Bildindex "Rio Grande River Rafting"
Zum Mittagessen: Jerk Chicken

Am nächsten Morgen geht es zurück zur Brücke am Rio Grande. Auch diese hat schon bessere Zeiten gesehen. Seit dem letzten großen Hurricane "Gilbert" im Jahre 1988 ist die Eisenbahnbrücke stillgelegt wie die gesamte Eisenbahn auf Jamaica: Reparaturen wären zu teuer und unrentabel gewesen. Sie warten schon, würden sich normalerweise fast vor unser Auto werfen um uns zum Anhalten zu zwingen und uns einige Stunden River-Rafting zu verkaufen. Wir halten aber sowieso. Ich halte Ausschau nach Gabriel, kann ihn aber nicht finden. Wir fragen, umringt von Raftern, Parkplatzwächtern und sonstigem Hilfspersonal nach. Es kommt genau die Antwort, die ich erwartet habe: "Gabriel is upside the river, making business...". Aha, denke ich, habe aber trotzdem keine große Lust auf Gabriel zu warten, es ist inzwischen dreiviertel Zehn und ich habe schon einige Bekanntschaft mit dem jamaicanischen Zeitbegriff gemacht. Ich handle mit den beiden Raftern einen kleinen Mengenrabatt heraus (wir sind zu dritt, brauchen also zwei Boote), er organisiert noch ein Taxi. Für den reduzierten Preis versucht er mir dann als Gegenschlag während unserer Abwesenheit eine Autowäsche anzudrehen. Ich lehne dankend ab: "I payed enough for this car". Außerdem deckt der Dreck vielleicht ein paar Kratzer zu. Großes Gelächter bei der Belegschaft. Wir passen zusammen. Es sind "Gauner" nach meinem Geschmack. Das Taxi scheint mit etwa 20 US Dollar recht teuer, es wird aber bald klar warum: Vor etwa zwei Monaten wurde bei langen und heftigen Regenfällen die direkte Anfahrt weggespült. So muss der Taxifahrer einen riesigen Umweg über Port Antonio und abenteuerlich schlechte Wegabschnitte nehmen. Wie sind fast vierzig Minuten unterwegs. Ich lege noch zwei Dollar drauf.

Gegen halb elf geht es endlich los. Bei traumhaftem Wetter und traumhafter Landschaft geht es flussabwärts. Es ist still, nicht das winzigste Motorengeräusch, nur das zwitschern der Vögel, das plätschern des gemächlichen Flusses und des typische Rauschen und Knarren der umliegenden Bambuswälder ist zu hören. Es liegen 10 Meilen und 30 Meter Höhenunterschied vor uns. Roy singt, absolut passend und fast studioreif, "Banana Boat" von Harry Belafonte. Port Antonio war in früherer Zeit der Hauptumschlagshafen für Bananen. Ein Großteil davon stammte aus den Plantagen am Rio Grande. Zwischendurch halten wir zum Baden an. Ein weiteres Stück weiter unten warten - sicher nicht zufällig - zwei weitere Geschäftsleute mit Kühltasche und Kokosnüssen am Ufer auf uns. Es gibt Bier, Pepsi, Ting und grüne Kokosnuss. Ich wähle die Kokosnuss. Sie ist, obwohl nicht gekühlt, sehr erfrischend. Nebenbei wird sie von unseren Begleitern ob ihrer Eigenschaften in den höchsten Tönen gelobt. Selbstverständlich lade die beiden  Rafter auf einen Drink ein. Sie wählen das einheimische Bier, "Red Stripe". Einen Moment lang fühle ich mich unweigerlich an eine Szene in dem Film "Crocodile Dundee" erinnert.

Einige Flusskrümmungen später gibt es Mittagessen. Nachdem wir uns Jerk-Chicken, gebackene Brotfrucht, Red Stripe und Papayas haben schmecken lassen, nehmen wir ein weiteres, erfrischendes Bad. Schließlich geht es auf den letzten Abschnitt. Weiter unten weitet sich das Tal. Hier ist es dann auch recht plötzlich vorbei mit der entspannenden Ruhe: Bulldozer graben Flusssand aus und verladen ihn auf LKWs, für Bauzwecke. Diese etwas lautere Viertelstunde kann aber keineswegs den Genuss der insgesamt fast vierstündigen Fahrt schmälern. Wir fahren unter der stillgelegten Eisenbahnbrücke durch. Gabriel sitzt oben und mustert mich mit ziemlich angesäuerter Miene. Ich entschließe mich zur Flucht nach vorn. Nachdem wir angelegt haben, gehe ich auf ihn zu: "Yah mon, where have you been this morning?". "I was here but later, quarter to ten". "We also were quite a bit late, we asked for you but the guys told me you were upside the river, rafting some tourists down the river". Die säuerliche Miene verschwindet, er lächelt, er reicht mir die Hand, alles ist wieder okay: "Yah man, no Problem!"

 

 

Wir wollen Port Antonio nicht verlassen, ohne noch einen Abstecher an die Reach Falls gemacht zu haben. Es ist schon recht spät, also beeilen wir uns und sind gegen 4 Uhr dort. Schade eigentlich, es ist ein Platz an dem man gut längere Zeit verweilen kann. Dafür sind wir die letzten Touristen an diesem Tag und somit alleine. Allerdings nicht ganz alleine. Unser Life Guard ist schon zur Stelle und will uns seinen Dienst anbieten. Nicht nur, weil er mir sympathisch ist, willige ich ein. Die Reach Falls sind ein abenteuerliches Gelände mit whirlpoolähnlichen Becken und teilweise schnellen Strömungen. Unser Life Guard kann uns genau sagen wo es ungefährlich und wo gefährlich ist. Alleine und ohne Wissen hätte ich mich an einigen wunderbaren Stellen garantiert nicht ins Wasser getraut. Wir genießen das etwa einstündige Bad und die kleinen Kraxeleien in glasklarem, erfrischendem, massierenden und sprudelnden Wasser. Zum Abschluss gebe ich Ihm seine 300 Jamaica-Dollars und lade ihn auf ein Getränk ein. Es entwickelt sich ein kleines Gespräch mit ihm und dem Rest der Parkbelegschaft. Wir werden gefragt, ob wir zwei von Ihnen auf unserem Rückweg nach Winston Bay mitnehmen können. Natürlich willige ich ein.

Bildindex "Reach Falls"
Die Reach Falls