Negril
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Hier ist unsere intensive Rundreiseerfahrungen auf Jamaica zu Ende. Es heißt ausspannen in einer der vielen All-Inklusive-Anlagen entlang des 12 Kilometer langen, weißen Sandstrandes. Das Bacardi-Klischee trifft hier schon eher, aber dennoch nicht vollständig. Wir genießen einige Tage Entspannung an einem zur Nebensaison keineswegs überfüllten Strand und können dennoch den Kontakt zur "normalen" Bevölkerung halten und einiges unternehmen.

Wir machen ausgedehnte Strandspaziergänge, lernen auch hier außerhalb der Hotelzonen interessante Menschen kennen, mit denen wir leicht ins Gespräch kommen. Da ist Roy. Er sitzt jeden Morgen splitternackt in einer ausgegrabenen Sandkuhle in der touristischen "Auslaufzone". Am ersten Morgen grüßt er freundlich und ruft meiner Frau zu; "Don't be afraid, im just relaxing here, not more". Meine Frau grinst und erwidert: "Yah man, no problem!". Bei unserem zweiten Spaziergang fotografiere ich etwas zu viel, meine Frau kehrt früher um, ich vertreibe mir noch eine Dreiviertelstunde Alleine die Zeit. Er kommt auf mich zu: "Yah mon, from where do you come?". Ich antworte ihm und frage ihn mit frechem Grinsen, woher er mir verdammt nochmal ansieht, dass ich Tourist bin. Er prustet vor Lachen. Wir kommen ins Gespräch, er erzählt mir, dass er ein paar Bekannte in Deutschland, Frankfurt und Freiburg hat und ferner Verwandte in den Niederlanden. So ist er ab und zu in Europa. Er lernt gerade holländisch. Er verdient sich sein Geld, indem er morgens Touristen zu Ricks Café fährt und später wieder abholt. Schließlich will er noch von mir wissen, warum um alles in der Welt die Leute immer erschrecken, wenn sie ihn nackt sehen würden, da unten sei doch ein FKK Stand wo alle nackt herumlaufen würden. Ich erwidere ihm dass sie wohl nicht damit rechneten, an einem einheimischen Strand. Die Reiseführer seien voll von entsprechende Hinweisen, dass das nicht gerne gesehen wird. Er meint, dass in den Führern ein Haufen Bullshit stünde. Er hat wohl recht, ich habe in den Bergen Jamaicaner haufenweise nackt baden sehen. Mit einem fetten Grinsen ergänze ich: "But if you're honest to yourself, you must admit, that you like to see the shocked faces of some tourists!". Er brüllt los vor Lachen "Yah man, you're right, absolutely right!" Wir verabschieden uns mit jamaicanischem Handschlag.

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Fischerhafen in Negril


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Die schönsten Sonnenuntergänge 
auf ganz Jamaica - sagt man.


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Zwölf Kilometer weißer Sand

Am Sonntag gehen wir in die Kirche, die Gospelkirche des Ortes. So klein viele Ortschaften sind, manchmal scheinen sie mehr Kirchen als Einwohner zu haben: Katholisch, Gospel, Seven-Day-Adventists, Baptisten, Watchtower, um nur mal einige typische Vertreter zu nennen. Hier in Negril wird uns die Gospel Church of God empfohlen. Der Gottesdienst beginnt um zehn und endet um zwei. Das sei aber kein Problem, man könne kommen und gehen wann man wolle, es sei sowieso ein einziges Kommen und Gehen. Hier bin ich das erste mal der Meinung, das sich die Reiseleitung geirrt hat: Das Kommen und gehen wird einzig und Allein von den Touristen verursacht!

So locker sich Jamaicaner unter der Woche bewegen, am Sonntag putzt man sich heraus, kaum einer, der ein kurzes Hemd trägt oder gar auf eine Krawatte verzichtet. Wir werden erwartet. Uns wird die für Jamaicanische Verhältnisse eher nachlässige Kleidung offensichtlich nicht angekreidet; lange Hose und wenigstens ein Poloshirt mit Kragen waren für uns dennoch eine Selbstverständlichkeit; "mehr" war nicht drin, weil wir nichts dergleichen dabei hatten. Per Handschlag begrüßt, müssen wir uns ins Gästebuch eintragen. Nach Beginn des Gottesdienstes werden die vertretenen Nationen vorgelesen, die Angehörigen stehen auf und werden gepriesen und selig gesprochen. Es sind vertreten: Engländer, Amerikaner, Deutsche, Italiener, Franzosen und ein Kubaner, insgesamt immerhin gut ein Drittel der Anwesenden in der kleinen Kirche. Das war es dann aber Gott sei Dank auch schon mit der touristischen "Einbindung". Selbstverständlich wird noch ein Spendenkörbchen herumgereicht. Es wechseln sich ab Gebete und Sprituals, bei denen im Rhythmus sich bewegt und geklatscht werden darf. Ein vorläufiger Höhepunkt ist für uns nach zwei Stunden die etwa dreiviertelstündige Predigt des Bischofs, von einer Inbrünstigkeit die kaum ein Demagoge (das ist in diesem Fall keineswegs negativ gemeint) besser hinbekommen hätte. Wir sind froh, es solange ausgehalten zu haben, weil wir an dieser Stelle doch recht viel über die Alltagsprobleme erfahren haben. Wir müssen uns dennoch vorzeitig nach Hause stehlen, weil wir unserem Sohn versprochen hatten, rechtzeitig zum Mittagessen zurück zu sein, leider! Wir hätten gerne noch bis 14 Uhr durchgehalten.

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Der Fahrkomfort wird rauher, 
die Erlebnisse intensiver



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Verkauf von Muskatnüssen


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Joel, unser Tourenleiter



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In der Schule

Am Dienstag ist nochmal eine geführte Rundtour angesagt. Wir können eine jamaicanische Familie, einen Rastafari und eine jamaicanische Schule besuchen. Wir werden zu zehnt auf das Deck eines allradgetriebenen Kleinlasters geladen und los geht’s, streckenweise querfeldein in die Mountains nähe Savanna La Mar. An einigen Flussüberquerungen müssen Steine aufgeschüttet werden. Joel, ein extrem hagerer und lustiger Jamaicaner führt uns. Er lebte jahrelang in Deutschland, Spanien und Wien. Dort studierte er Musik. Er spielt Schlagzeug und Trompete und war Mitte der siebziger Jahre der Drummer der auch hierzulande recht bekannten Band "Mombasa". Bei der jamaicanischen Familie werde ich den Eindruck nicht los, dass sie zwar mitspielt, weil sie die paar Dollars gebrauchen können, die sie von er Reiseleitung bekommen, ansonsten jedoch von dem Trubel recht wenig begeistert sind. Ich stelle mir gerade vor, wie eine Horde reicher Ölscheichs wild knipsend durch unseren eher ärmlichen Vorgarten spaziert. Ich verstehe die Familie, andererseits kommt so halt keine richtige Kontaktstimmung auf. So fällt die Zeit dort recht kurz aus, und wird im Wesentlichen als botanische Führung durch den Hausgarten abgehalten.

Ganz anders beim Rastafari. So viel anders, dass ich schon wieder an seiner "Echtheit" zu zweifeln beginne. Nicht, dass er unsympathisch wäre, nein, ganz im Gegenteil! Er ist mir für einen zurückgezogenen Asketen (so könnte man einen Rastafari durchaus beschreiben) bloß zu kontaktfreudig und geschäftstüchtig. Er verkauft fleißig grüne Coconut und Coconut-Yelley, Muskatnüsse von dem Baum vor seiner Hütte, lässt sich gerne fotografieren und hat werbewirksam eine selbstgedrehte weiße Kippe im Mundwinkel, die aber mehr nach ordinärem Tabak riecht, als nach Marihuana. Davon mal abgesehen rauchen Rastafari nach meinem Wissensstand nur dann, wenn sie sich bei Gebet und Meditation in einen Trancezustand versetzen wollen. Aber ich kann mich täuschen und halte jetzt erst mal die Klappe...

Ganz anders ist der Schulbesuch ein wirklicher Hit. Unser Fahrer fährt rückwärts die Anhöhe zur Schule hinauf. Einige Boys springen uns entgegen, an Wagen hinauf und belagern die Ladeklappe. Wir werden in ein Gebäude geführt, das im Grunde genommen aus einem einzigen großen Raum besteht. Dazu in jeder Windrichtung eine Schultafel und die Schulbänke passend verteilt, für schätzungsweise 100 Schüler. Also mindestens vier Klassen in ein und demselben Raum. Die Lehrerin macht einen entsprechend kernigen Eindruck. Sie hält eine kleine Rede, bedankt sich für unseren Besuch. Sie freue sich jedes mal, weil so doch einige Spenden hängen bleiben würden und sie sich auf diese Weise endlich zwei neue Tafeln und einen Computer im Untergeschoss leisten konnten. Zwei der Tafeln sind tatsächlich neu. Die restlichen beiden haben am Rand pflastersteingroße Löcher. Ich frage mich unweigerlich wie wohl die bereits ausgetauschten ausgesehen haben mögen.
Es folgt eine kleine Tanzvorstellung mit traditionellen Volksliedern, aus der sich die Jungs vornehm heraus halten.

Zum Schluss geht dann richtig die Post ab. Einer der Jungs merkt, dass ich eine Digitalkamera habe und will natürlich erst mal die Bilder sehen. Dann will jeder fotografiert werden, ein einziges Gedrücke und Gezupfe, ich finde zum Glück irgendwann die Blitz-Grundeinstellung der Kamera, damit nicht alles restlos verwackelt wird. Dann lasse ich mir in einem unvorsichtigen Moment die Kamera entreißen. Jetzt sind die Jungs dran, mit fotografieren. Natürlich will sie jeder in den Händen halten und fotografieren. Ich bekomme langsam Angst um dieses empfindliche Teil, will ihnen aber den Spaß nicht verderben und versuche zu steuern, dass sie einfach jeder der interessierten mal hat und knipsen kann. Es sind derer viele, sehr viele. Zum Schluss bekomme ich den rettenden Einfall: "Stop now", brülle ich, "i want to get back may camera. If i get it now and immediately, i will send you enlargements of all good shots". Das zieht. Binnen Sekunden habe ich sie heil zurück. Die Lehrerin schreibt mir bereitwillig die Adresse der Schule auf.
Die Moral von der Geschicht': Gehe mit einer Digi in eine jamaicanische Schule nicht - oder so.

Aber wie man sieht: "Yah man, no problem"

Zum Abschluss steht Ricks Café an. Dort wo sich Jamaicaner und Touristen zu Rum-Punch, Sonnenuntergang und Anderem treffen. Wo sich mutige Jamaicaner gegen Bezahlung von Klippen und Bäumen ins karibikgrüne Wasser stürzen. Ein Platz mit magischem Flair, dessen Flair sich vor allem daraus ableitet, dass die Besucher glauben, es sei ein Platz mit Flair. Auf jeden Fall ist es ein Platz der Superlative: Ich trank hier den teuersten und schlechtesten Rum-Punch auf ganz Jamaica.

Nach zwei Wochen, die einerseits so kurz sind, dass wir gerne noch zwei weitere angehängt hätten, und andererseits so lange, dass wir uns fühlen, als ob wir schon mehrere Monate dort gewesen wären, müssen wir leider wieder zurück. Das Einzige, was ich auf Jamaica vermisst habe ist Espresso, guten italienischen Espresso. Es ist schon erstaunlich, dass man in einem Land, das den anerkannt weltbesten Kaffe produziert, kaum einen wirklich guten zu trinken bekommt.

Das war ganz sicher nicht unser letzter Urlaub auf Jamaica, auch wenn aus Kostengründen erst mal eine Jamaica-Pause sein wird!

Bildindex "Rick's Café"
Ricks Café


 

Alle Geschichten sind geschehen wie erzählt, es sind keine Erfindungen. 
Die Namen der Beteiligten sind an einigen Stellen allerdings geändert!